Eine Autobahn im Überschwemmungsgebiet

Lehren ziehen aus der Flutkatastrophe

Nach der Flutkatastrophe in NRW und Rheinland-Pfalz sowie einer „drohenden Zunahme von Extremwetterlagen durch den Klimawandel“, fordert Grünen-Politikerin Karin Loock, daraus „Lehren für das Boldecker Land“ zu ziehen: „Wir brauchen konkrete Maßnahmen für mehr Schutz gegen Überflutungen und Hochwasser, besonders in Weyhausen und Tappenbeck, um zusätzlichen Gefahren und zusätzlichen Kosten auch für die Samtgemeinde vorzubeugen“, sagt sie. „Kürzlich mussten wetterbedingt bereits Ausbesserungsmaßnahmen an der B 188 wegen Unterspülung im Bereich Weyhausen vorgenommen werden. Sie liegt im Überschwemmungsgebiet der Kleinen Aller.“
Loock blickt zurück: „Schon die beiden Starkregenereignisse, die 2017 und 2020 das Boldecker Land trafen, endeten mit vollgelaufenen Kellern in Weyhausen und Tappenbeck, überfluteten Straßen sowie einem unter Wasser stehenden Einkaufsmarkt“, erinnert die Jembker Rats- und Samtgemeinderatsfrau, die am Sonntag auch für den Gifhorner Kreistag als Spitzenkandidatin der Grünen antritt. „Es waren damals rund 100 bzw. 70 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, die kurzzeitig niedergingen“, sagt sie. „Was aber tun wir, wenn der Regen stundenlang anhält, so wie vor zwei Monaten im Flutgebiet, und dann auch 200 Liter auf den Quadratmeter fallen?“

Bau der A-39 verschärft Überflutungsgefahren

Wo soll das Wasser hin, falls die A39-Trasse alles versiegelt?

Loock kontaktierte den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN): Nach Auskunft des Hochwasserkompetenzzentrums Verden, obliege die gesetzliche Zuständigkeit für den Hochwasserschutz den Kommunen. Die Gemeinden, so meint Loock, seien nun dringend gefordert zu handeln. Über Maßnahmen des Hochwasserschutzes der Kleinen Aller im Bereich  Weyhausen/Tappenbeck sei der Behörde jedoch nichts bekannt.

„Nur für die Wehranlage der Aller in Weyhausen bestehen Vorplanungen zur Umsetzung einer Fließgewässerentwicklungsmaßnahme, Maßnahmenträger ist der Aller-Ohre-Verband.“ Karin Loock ist das zu wenig, denn: „Allein mit einem Bau der A 39 und der damit einhergehenden Flächenversiegelung würden sich die Überflutungsgefahren noch weiter verschärfen!“ So würde der geplante Autobahnbau im Bereich des neuen, vergrößerten Knotenpunkts Weyhausen das Überschwemmungsgebiet der Kleinen Aller streifen, erklärt Loock anhand von Karten, „die sich jeder im Internet runterladen kann“, und die Retentionsflächen in Tappenbeck am Sportheim sowie im Tappenbecker Moor sogar durchqueren. „Das ist nicht im Sinn der Sache!“

„Autobahnplanungen müssen auf den Prüfstand“

Sie fand zudem heraus: Das Überschwemmungsgebiet der Aller im Landkreis Gifhorn und der Stadt Wolfsburg wurde per Verordnung bereits am 30. 03. 2012 festgesetzt, das Überschwemmungsgebiet Kleine Aller am 30. 12. 2011. „Aber damals“, sagt Loock, „waren die jetzt spürbaren Folgen des Klimawandelns noch kein Thema!“ Aus diesem Grund fordert sie: „Als erstes müssen die Autobahnplanungen für den Abschnitt 7, die sich ohnehin im Planänderungsverfahren befinden, und die Planungen zur Tank- und Rastanlage mit 18 Hektar versiegelter Fläche noch einmal auf den Prüfstand, inwieweit sie heute noch mit dem Hochwasserschutz vereinbar sind!“

Es könne doch nicht angehen, meint Loock, dass man „gegen alle Vernunft handele, nur um eine Autobahn durchzudrücken“, die die Jembker Landwirtin ohnehin für überflüssig hält, da sie vor allem kostbares Agrarland schluckt und im Boldecker Land Naturschutzgebiete wie das Vogelmoor bei Barwedel und das Tappenbecker Moor durchschneide.

Landwirtschaft ist auch Wirtschaft

Miriam Staudte und Karin Loock

Schützenhilfe bekommt Loock von der agrarpolitischen Sprecherin der Grünen im niedersächsischen Landtag, Miriam Staudte, die ihr gestern in Tappenbeck an Ort und Stelle zur Seite stand: „Nicht nur die Steuerzahler, auch hunderte Landwirte bezahlen diesen mindestens 1,3 Milliarden Euro teuren Autobahnneubau mit Flächenentzug, der nur mühsam bis gar nicht zu kompensieren ist! Doch Acker- und Grünland sind ihre Einkommensgrundlage. Es werden Jahrzehnte andauernde Flurbereinigungsverfahren* und Veränderungssperren angeordnet, die die betriebliche Entwicklung der Höfe massiv behindern oder sogar unmöglich machen.“
Einige betroffene Landwirte würden aufgeben müssen. „Dabei“, so sagt Karin Loock, „brauchen wir doch viel dringender regional produzierte Lebensmittel als diese Autobahn, wenn wir in Zukunft alle klimabewusst leben wollen.“

Pressemitteilung der GRÜNEN im Boldecker Land

Ein Kommentar

  • Frank-Markus Warnecke, Sprecher des Dachverbandes gegen die A39 im LK Gifhorn/ Verkehrspolitischer Sprecher (Grüne) im Gifhorner Kreistag

    Der Klimaschutz ist aktuell das beherrschende Thema und wird es auch in Zukunft bleiben. Wie ich bereits in einer vorherigen Kommentierung erwähnt habe, ist es dringend geboten auf großflächige Bodenversiegelungen zu verzichten. Dies gilt im besonderen Maße für Bauprojekt, die völlig überflüssig sind, wie der Neubau der A39 von Tappenbeck bis nach Lüneburg. Dies haben wir im Laufe der Jahre als Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Kreistag Gifhorn im Laufe der Jahre durch entsprechende Anträge und Redebeiträge immer wieder deutlich gemacht. Als Verkehrspolitischer Sprecher der Fraktion möchte ich darauf hinweisen, dass wir so nicht weiter machen können.
    Boden ist nicht vermehrbar. Wir alle tragen Verantwortung für das Klima, aber auch für unsere Kinder und alle nachfolgenden Generationen. In den 17 Jahren des Widerstandes hat sich mir immer wieder gezeigt, dass zunehmend mehr Menschen Verständnis dafür entwickeln, dass wir sorgsamer mit unserer Umwelt umgehen müssen. Das ist auch weiterhin mein Ziel für die kommenden Jahre im Kreistag. Das kann nur mit starken Grünen gelingen. Hierfür benötigen wir natürlich die Unterstützung der Wählerinnen und Wähler.

    Anzumerken sei noch, dass die Orstschaften wie Jembke, Tappenbeck pp. es mit einer Doppelbelastung zu tun bekämen, wenn die Autobahn gebaut würde. Ein weiterhin starker Durchgangsverkehr plus Autobahnverkehr (Transitverkehr) plus Mega-Tank-und Rastanlage stellt eine hohe Belastung dar.

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